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Baugeschichte

Der Nordhäuser Dom zum Heiligen Kreuz enthält Elemente dreier voneinander absetz- barer Stilepochen. Bei der Betrachtung des äußeren Bauwerkes fallen als Abschluss des frühgotischen Chorraumes die beiden Türme aus ältester Zeit auf, die vor dem Hinter- grund des hochgotischen Kirchenschiffes niedrig wirken. Die Türme sowie Teile des Kreuzganges sind romanisch, ebenso die Krypta.

Gotisch geprägt ist auch das Kapitelhaus des Domstifts an der Nordseite des Kirchen- schiffs.

 

Farbliche Darstellung der Stilepochen; Grafik: Günter Wagner

 

Drei erkennbare Stilepochen:

Romanik

-  Türme, Krypta u. Teile des Kreuzganges


Frühgotik

-  Chor


Hochgotik

-  Langhaus, Kapitelhaus an der Nordseite

 

Die Gründungdes Domes geht zurück auf die Errichtung eines Frauenstiftes durch die Königin Mathilde im Jahre 961 auf dem Boden der Burganlage, die ihr von ihrem Gemahl Heinrich I. im Jahre 927 als Witwensitz geschenkt worden war. Von dem damals errich- teten Kirchenbau sind bislang keine Reste bekannt geworden.

 

Die Romanische Basilika 1130 - 1200

 

 

 

Mitte des 12. Jahrhunderts war an dieser Stelle eine romanische Basilika errichtet wor- den. Von dieser sind die Unterbauten der Türme aus marmorähnlichem Muschelkalk bis in Simshöhe des Chores und die dreischiffige Krypta mit halbrunder Apside aus der Zeit um 1130 erhalten geblieben. Auch an der Innenseite des Kreuzganges sind noch die romanischen Rundbögen erkennbar.

Die Kapitelle der stumpfen Säulen der Krypta verweisen auf die Baumeister des Klosters Hirsau im Schwarzwald.  

Das Chor erhob sich über der Krypta mit gleicher Grundfläche. Das dreischiffige roma- nische Langhaus hatte wohl eine Abmessung von 28 m x 14 m, deshalb mündete der damals längere Westteil des Kreuzganges vermutlich in eine Vorhalle. Das Mittelschiff bestand aus 4 Teilen von 7 m x 7 m. Die Basilika hatte wohl eine flache Balkendecke, vielleicht war das Mittelschiff aber auch aufgewölbt. Wegen Kriegsfolgen wurden die nach 1180 errichteten Gebäudeteile (wie z. B. die mittleren Geschosse der Türme) in Eile und mit minderwertigerem Material errichtet, weshalb nach einem Stadtbrand 1234 der Kirchenbau grundlegend erneuert werden musste.

 

Der frühgotische Kirchenbau 1234 - 1237  

 

 

Der frühgotische Chorraum des Domes entstand zwischen etwa 1234 und 1267 (Weihe- datum) unter Einfluss der sogenannten zisterziensischen Frühgotik, vertreten durch Bau- meister des Klosters Maulbronn in Würtemberg, nachdem 1220 unter Kaiser Friedrich II. das Frauenstift in ein Domherrenstift umgewandelt war.

Der alte Chorbau wurde niedergelegt und ein neuer, mit 18,2 m mehr als doppelt so langer, unter Beibehaltung der Breite von 7,44 m, errichtet. Überdeckt war das Chor ursprünglich nur von zwei rippenlosen Kreuzgewölben, von denen das östliche und der breite Zwischengurt noch erhalten sind. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hat man das westliche Gewölbe in zwei schmalere Joche mit Kreuzrippen unterteilt und die Rippen- fänge auf Baldachinen untergebracht, unter denen die Stifterfiguren auf ionischen Konso- len stehen. Zwei der drei Schlusssteine bilden zusammen die älteste Darstellung des Nordhäuser Stadtwappens.

Die Spitzbogenfenster an der Ostseite sind außen reich verziert.

Den Abschluss des Chores gegen das Langhaus bildet ein Triumphbogen.

Die 33-jährige Bauzeit lässt vermuten, dass auch der Neubau des Langhauses mit einbezogen war, wenn auch nicht abschließend. Über die Maße des frühgotischen Langhauses gibtes keine Angaben.

 

Das hochgotische Langhaus

 

 

 

Das Langhauses wurde erst um 1340 angefügt, aber 1450 erneuert. Der weite Raum wird durch zwei Reihen von je fünf achteckigen Bündelpfeilern gegliedert, die zunächst nur eine flache Holzdecke trugen. Damit entstand eine dreischiffige, fünfjochige gotische Hallenkirche mit steilem, im Osten abgewalmten Satteldach.

Die Einwölbung erfolgte erst ab 1522. Das reiche Rippenwerk bildet in den Seitenschiffen ein Netz- und im Hauptschiff ein Sterngewölbe. Aus zeitgeschichtlichen Gründen blieben 5 Joche sowie die Aufmauerung desTriumphbogens unvollendet, jahrhundertelang nur provisorisch abgedeckt, bis sie 1843 geschlossen wurden.

Die Innenabmessungen das Langhauses sind: Länge 32 m, Breite des Mittelschiffes 10,4 m, Breite der Seitenschiffe je 7,1 m, Gewölbehöhe 17 m.

Die acht großen Fenster sind mit reichem, in jedem Fenster wechselndem spätgotischen Fischblasenmaßwerk gefüllt. Besondere Sorgfalt hat man auf das in der Südseite einge- fügte gotische Hauptportal mit Vorhalle verwandt.

1801 waren Bauschäden an den Türmen Anlass, die oberen Turmfenster auszumauern und die je vier Ecktürmchen an den Hauben zu entfernen.

 Der Dom heute

 

 

Schwere Beschädigungen musste der Dom bei der Bombardierung Nordhausens im April 1945 hinnehmen. Der Dachstuhl brannte ab und die kunstvollen Fenster wurden zerstört. In der Nachkriegszeit schützte man das Gotteshaus zunächst durch ein behelfsmäßiges Dach. Um 1964 erfolgte der noch heute vorhandene originalgetreue Wiederaufbau des Steildaches. Die Schiefereindeckung wurde 2008 durch Kupfer ersetzt.

1973 bis1978 schloss sich eine Renovation des Inneren an, bei teilweiser Beseitigung der neugotischen Ausstattung. 1979/1981 wurden die Turmhauben mit Kupfer eingedeckt und das Mauerwerk saniert. Ab 1985 erfolgte die Neuverglasung aller Seitenfenster mit But- zenscheiben. Die Strebepfeiler und die Domfassade wurden1991 saniert, das Kapitel-hauses mit moderner Innenarchitektur bis 1996 rekonstruiert. Mit der statischen Siche- rung der Türme, der  Wiederöffnung der Turmfenster und der Neugestaltung der Außen- anlagen kamen die Sanierungen 2008 zu einem gelungenen Abschluss.

 

Über 885 Jahre hinweg war der Dom entweder Baustelle oder bereits wieder baufällig. In einem so schönen Zustand wie heute war er deshalb noch nie zu sehen.

 

Text: Günter und Reinhard Wagner, Nordhausen
Urzeichnung des Nordhäuser Doms: Jörg-Peter Gottstein, Erfurt
Grafikmodifizierung: Günter Wagner, Nordhausen
Quellen:
Arno Wand, "Der Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen", St. Benno-Verlag, Leipzig 1986,
Arno Wand, "Der Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen",Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2013
 

 

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