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Details im Dom (1)        

Der Engel mit dem Saitenspiel

Dieser Engel gehört zu den himmlischen Heerscharen, die sich an der Rückwand des Chorgestühls (linke Seite) zwischen den Spitzbögen halb versteckt haben. Sie spielen den Lobpreis Gottes auf unter-schiedlichen Instrumenten, auf Triangel und Tuba, auf Psalter und Kesselpauke, auf Harfe und Handorgel und eben auch auf Geigen und Fiedeln.Bei diesem Engel allerdings hat sich der Künstler vor mehr als 600 Jahren einen Scherz erlaubt: Dieser Engel ist ein Linkshänder!

 

Ostern verschlafen?

Er schläft, hat sich lang ausge-streckt direkt hinter dem Grab, in das man am Karfreitag Jesus gelegt hat. Pilatus hat eine Wache befohlen, damit die Jünger ihren Meister nicht "stehlen" können. Eine Tag- und eine Nachtwache - das macht müde ...-  

Die Diebe sind in der Nacht nicht gekommen, dann werden sie wohl am frühen Morgen auch nicht mehr erscheinen. Außerdem sind da noch zwei Wächter vor dem Grab; mögen sie aufpassen! -So fallen die Augen zu, das Visier rutscht über das Gesicht, er schläft ein ...  

Und hinter ihm steigt der Auferstandene aus dem Grab. Es ist Ostern!

 

"Ich habe es dir in´s Ohr geflüstert"

Da kniet er in der ersten linken Pultwange - in Gebet und Betra-chtung versunken - vor einem Buch, höchstwahrscheinlich der Heiligen Schrift: Papst Gregor I., einer der vier altenabendländischen Kirchen-lehrer, der den Beinamen "der Große" trägt. Er ist päpstliche Gewänder geklei- det, und der mittelalterliche Künstler hat ihm die Tiara, die dreifache Krone, aufs Haupt gesetzt. Das Beiwerk ist als perfekt.

Gregors Blick aber scheint durch das Buch hindurch zu schauen. Will er sehen, was dahinter ist? Gottes Unermesslichkeit ermessen? Oder ist er einfach ganz Ohr?

 

Das muss es wohl sein, denn unmittelbar hinter seinem Ohr schwebt eine Taube, Sinnbild des Heiligen Geistes. Sie erweckt tatsächlich den Eindruck, als flüstere sie dem großen Papst etwas ins Ohr, eine göttliche Eingebung. Nach der Legenda aurea will ja ein Schreiber genau das gesehen haben.

 

Spiegel

"Schau nicht immer in den Spiegel, du bist ja ein richtiges Äffchen!" Wem ist das in seiner Kindheit nicht gesagt worden? Auch als Er- wachsene schauen wir gelegentlich in den Spiegel. Was mögen wir eigentlich an unserem Spiegelbild? Fragen wir nach, ob die Frisur sitzt, der Lidstrich stimmt, die Farbe des Lip- penstiftes passt, ob Ohrringe und Kette ein gutes Ensemble bilden? Werfen wir deshalb einen Blick in den Spiegel, um zu sehen, ob unsere Erscheinung wirkt, wir den Kopf in der richtigen Weise hoch tragen, man uns unsere Power ansieht? Das sind gewiss alles Notwen- digkeiten. Doch wenn wir einmal jenseits dieser Notwendigkeiten unser Gesicht betrachten, ohne Styling, dann sehen wir vielleicht unser ganzes Leben, die Aufbrüche und Abstürze, Liebe und Leid, Freuden und Sorgen ...  

Und wenn wir ehrlich zu uns sind, dann erfahren wir möglicherweise die Gnade, uns ein wenig mit den Augen Gottes zusehen. Wagen wir den Blick in den Spiegel!

Übrigens: das Äffchen mit dem Spiegel sitzt im Chorgestühl rechts an der 1.Pultwange.

 

Weihnachtsbild?

Nein, in unserem Dom gibt es kein Weihnachts- bild!  

Jedenfalls habe ich das kürzlich kühn behaup- tet, und dann musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Oft hatte ich mit Schulklassen oder Touristen vor dem Vierzehn-Nothelfer-Fens- ter gestanden, von seiner Entstehung in den Nachkriegsjahren berichtet, auf Ähnlichkeiten mit den wunderschönen Altarfenstern in St. Bla- sii hingewiesen, aber dass genau über der Vier- zehn-Nothelfer-Darstellung im Maßwerk sich dieses weihnachtliche Fensterbild befindet - das hatte ich einfach übersehen. Auf den ersten Blick scheint alles klar: das Christkind, der menschgewordene Gottessohn, die Arme ausgebreitet, als wolle er die ganze Welt umfassen. So viel Liebe für uns!

Auf den zweiten Blick aber beschleicht uns leises Befremden: das Christkind am Kreuz? Die Liebe gekreuzigt? So nah also liegen Bethlehem und Golgotha beieinander?  

Diese Darstellung ist selten; deshalb macht sie so betroffen.

 

Text: Carla Buhl

Fotos: F.-Ulrich Börner

 

 

 

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