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Domsanierung 2017/2018 (I)

 

Während der Bau- und Erneuerungsarbeiten im Innern des Nordhäuser Doms ist ein Betreten durch interessierte Gemeindemitglieder bzw. Besucher leider nicht möglich.

Deshalb wird hier anhand von Bilddokumenten über den Verlauf der Sanierungsarbeiten stichpunktartig berichtet.


Für den ungeübten Betrachter, der noch nie einen Baustellenbetrieb "erlebt" hat, kann schnell der Eindruck entstehen, dass das Chaos des Menschen Wille beherrschen würde (was ja manchmal auch stimmt).

Und Gemeindemitglieder, die ihren Dom aus glanzvollen, festlichen Gottesdiensten in Erinnerung haben, werden manch Dedail erschrocken aufnehmen.



Es sei aber an dieser Stelle versichert, dass alle auszuführenden Arbeiten nur dem einen Zweck dienen: Die Erhaltung dieses bedeutsamen sakralen Bauwerkes Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen.

24. Mai 2017



Es ist z. B. dringend erforderlich, den Innenputz im Kirchenraum bis zu einer Höhe von ca. 3 m zu erneuern. In den Mauern aufsteigende Feuchtigkeit hat u. a. in Verbindung mit den in der Vergangenheit verwendeten Baustoffen dazu geführt, dass Kristallisations-prozesse Mauerwerk wie auch Oberflächenmaterialien schädigen.

Gleichermaßen muss durch geeignete Maßnahmen der sogenannte Kapillartransport bzw. die hygroskopische Wasseraufnahme abgeschwächt werden.


Durch Einhausungen, Abdeckungen und Versiegelungen werden die im Kirchenraum verbleibenden Gegenstände (Kirchenbänke, Altäre, Chorgestühl, Figuren usw.) vor den durch die Putzabtragungen zu erwartenden Staubbelastungen geschützt.

Auf Augenhöhe...


...mit den Stifterfiguren des Nordhäuser Doms, könnte die Überschrift zur heutigen Bauberatung treffend lauten. Denn es stand u. a. die Begutachtung der bedeutenden Steinskulpturen auf der Tagesordnung des Kunstsachverständigen des Bistums Erfurt, Dr. Falko Bornschein.

 


01.06.2017


1  

Für den flüchtigen Betrachter kaum zu erkennen: Auch die Dachhauben auf den Außen-pfeilern werden derzeit erneuert.

 


Sicher ist der fachgerechte Gerüstbau eine Handwerkersparte, die Bewunderung verdient.

Auch hier gilt: Nicht soviel wie möglich, sondern nur soviel wie nötig.


Nordhäuser Dom, Innengerüst, 5. Juli 2017


Blick zur Orgeleinhausung, 5. Juli 2017


Westschiff mit Taufstein im Vordergrund, 5. Juli 2017


 12.07.2017


Dem Betrachter wird hier nicht etwa der Einblick in eine Krypta geboten, vielmehr befinden wir uns direkt unterhalb des Gewölbes auf einem sogenannten Rollen- gerüstboden. Von diesem Boden aus können alle notwendigen Restaurierungsarbeiten (von einem Rollengerüst) am Gewölbe und den oberen Säulenabschlüssen (Kapitellen) durchgeführt werden.


 





19.07.2017



Nach der Steinreinigung (Sandstrahlverfahren) werden nicht nur Schädigungen am Material offensichtlich, sondern es lassen sich auch unterschiedliche Sanierungs-epochen ableiten. Die verwendeten Materialien und die Art der Reparaturausführung geben Aufschluss über die verschiedenen Zeiträume und lassen auch Rückschlüsse auf mechanische und und thermodynamische Belastungen beispielsweise infolge der Bombardierung Nordhausens zu.




                                                                                      

Aber auch Details - wie hier der Messing-kopf auf einer Gewölberippe - ,die dem Betrachter von der Kirchenbank aus nicht sofort "ins Auge fallen", werden hervorge-hoben.

Die Beantwortung der Frage nach dem Warum und Wieso bzw. nach der Bedeu-tung dieses Kopfes überlassen wir getrost den Sachverständigen.



09.08.2017

Mit "Spuren im Sand" könnte dieses Bild überschrieben werden. Denn so sieht der Granulatrückstand aus, der sich nach dem Abstrahlen der Gewölberippen bzw. Säulen auf dem oberen Rollenboden ansammelt. Der feine Staub, der stetig im Raum "hängt", legt sich dem diensttuenden Besucher sofort auf Kleidung und Haare, dringt in jede Ritze und klebt förmlich auf der Haut.



So ist es nur allzu verständlich, wenn sich die Begutachtungen durch die Sachverstän-digen vor Ort auf das Notwendige beschränken, die Details aber an frischer Luft besprochen werden.



                                                                  

Pfarrer Hentrich lud deshalb die Teilnehmer der Bauberatung auf den Domhof ein und spedierte spontan eine Runde Eis für alle. als willkommene Erfrischung.

Danke für die gute Geste!











Bauberatung am 23.08.2017, Treffpunkt: Südportal des Nordhäuser Doms


v.l.n.re.: Herr Kreil (Steinsanierung), Pfarrer Hentrich, Herr Hartung (Elektroplanung), Herr Gottstein (Architekt), Herr Gold (Dombauamt Erfurt)


Bevor des zu den Sanierungsbereichen des Doms geht, müssen noch einige Details in der fast fertig gestellten Sakristei entschieden werden.

Pfarrer Richard Hentrich (Bildmitte) weist auf prak-tische Gegebenheiten hin, die unbedingt bei der Planung des vorgesehenen Windfanges zu berück-sichtigen sind.







Im Chorraum, aber auch im Langhaus des Doms finden sich in den unterschiedlichen Gewölbeberei-chen immer wieder Metallbänder, die in angepassten Formen einzelne Rippenabschnitte umklammern.

Diese Stein-Sicherungen, die in vergangenen Jahrzehnten angebracht wurden,  gilt es im Rahmen der Sanierung zu begutachten und gegebenenfalls zu ersetzen.

Die vorherige tiefgründige Reinigung des Steinma-terials (hier im Sandstrahlverfahren) war überhaupt wichtige Voraussetzung, um letztlich den Sanie-rungsbedarf einschätzen zu können.

 

 

 


Bauberatung am 10.10.2017

 


Längst wurde mit den Ausmalarbeit-en begonnen.

Einen ersten Eindruck von der künf-tigen Farbgebung des Dominneren vermitteln ansatzweise beide Bilder.



 

 

Pfarrer Richard Hentrich (rechts) im

Abstimmungsgespräch mit Ralf Kruse, (Fa. Kruse Restaurierungen) um Details der Fugenausmalung festzulegen.

 












v.l.n.r.: Architekt Jörg-Peter Gottstein; Ulrich Kruse (Fa. Kruse Restaurierungen); Phillpp Kreil (Fa.Geba Bauholding GmbH); Pfarrer Richard Hentrich



Nachdem die Steinreinigung und Steinsanierung abgeschlossen war, musste der gesamte Dominnenraum, einschließlich der Gerüstbauten (Rollboden, Bild links) komplett von Rückständen und Baustaub befreit werden.


Auf eine Besonderheit der Steinrestaurierung verwies Philipp Kreil im Gespräch:

Die Zierblumen an einigen Halbsäulen-Kapitellen, sogenannte Krabben, wurden ursprüng-lich (hier um 1820) nach ihrer Einzelfertigung durchbohrt und mit Eichenholzankern (Rundhölzer) am jeweiligen Kapitell befestigt (Bild links).

Im Rahmen der jetzigen Sanierung wurden die maroden Rundhölzer durch Glasfiberstäbe ersetzt (Bild rechts, hinter den weißen Stellen in Blattmitte).





Zur Feinabstimmung der kommenden Aufgaben trafen sich in für heute abschließender Runde (v.l.n.r):

Karsten Meyer (Tischlerei Meyer, Großlohra); Norbert Meyer (Norbert-Meyer-Bau, Großlohra); Architekt Jörg-Peter Gottstein, Philipp Kreil (Geba Bauholding GmbH); Pfarrer Richard Hentrich

 


Bauberatung am 18.10.2017


Die Ausmalarbeiten - hier im Chorraum des Domes - schreiten voran:

 

Mitarbeiter der Fa. Kruse Restaurierun-gen bei der Arbeit. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen.


Aber auch andere filigrane Restaurierungen, z. B. an historischen Kunstgegenständen, sind dringend geboten.

Der Baldachin an einer der Stifterfiguren wird hier von Restauratorin Antje Pohl unter kunsthistorischem Aspekt aufgearbeitet.

 


 

Und immer wieder werden Absprachen zwischen Pfarrer Richard Hentrich und den unterschiedlichen Gewerken notwendig. Auch vor ungewöhnlichem Hintergrund erörtert man dabei die anstehenden nächsten Arbeitsschritte - hier beispielsweise in den Themenkreisen Elektroakustik und Videoüberwachung.

 

v.l.n.r.: Pfarrer Richard Hentrich; Andreas Wiegand, Electronic ELT; grüßender Altarengel; Tobias Donat, Medienservice; Harald Hartung, Ing-Büro Elektroplanung


Fotos: F.-Ulrich Börner

 

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